13. Spieltag am 27. März 1986: Eintracht Frankfurt - Duisburger SC 6-3 (2-1/4-0/0-2)
Gründonnerstag. Die Dippemess steht am Ratsweg. Natürlich keine Chance auf einen Parkplatz dort. Kann mich nicht mehr erinnern, wo wir geparkt haben, auch nicht daran, wer mit in der Halle war, wohl mein Oppa. Wir haben Karten in Block H. Niemals vorher oder nachher habe ich dort gesessen.
Duisburg war immer ein unangenehmer Gegner für uns, konnte in der Hinrunde Ende November sogar in der ESH gewinnen. Damals wollte ich zu diesem Spiel, aber das Glatteis war so extrem, dass niemand sich überhaupt nur vor die Tür wagen konnte. Nun, an Gründonnerstag, bekam ich also die Duisburger zu sehen. Durch Verwandte im Rheinland wußte ich, dass dort ein Freund eines Verwandten mitspielte: Thomas Werner, der später zur Eintracht wechselte und auch noch Nationalspieler wurde. Mehr Bammel hatte ich vor den polnischen Topstürmern Jobczyk und Klocek, die ein Spiel im Alleingang entscheiden konnten.
Die Stimmung in der Halle war wieder sehr dicht, etwas gelassener angesichts der Osterferien und des nicht zu schweren Gegners. Duisburg in einem aparten Hellblau, die SGE in Schwarz, wenn ich mich richtig erinnere. Ein großes spielerisches Spektakel kommt nicht auf, teilweise ist Sand im Getriebe, aber die Eintracht findet immer wieder den Weg ins Netz, obwohl Tony Thiel im Kasten der Duisburger einige Großchancen zunichte machte und der DSC vorne immer mal wieder sehr gefährlich auftauchte.
Nach dem zweiten Drittel steht es 6-1, das Spiel war längst entschieden. Danach nimmt die Eintracht wohl den ein oder anderen Gang raus und kassiert im Schlussdrittel noch zwei Tore. Im Publikum kommen deshalb dezente Unzufriedenheit und einige Pfiffe auf. Aha. Man ist inzwischen doch sehr anspruchsvoll und verwöhnt.
Die Eintracht siegte recht ungefährdet 6-3. Noch sieben Punkte zum sicheren Aufstieg in die Bundesliga. Can you believe it? Don´t stop believin´!
Gleichzeit holte der AEV zuhause gegen Bayreuth nur ein Unentschieden.
14. Spieltag am 29. März 1986: ESG Kassel - Eintracht Frankfurt 3-3 (1-2/0-1/2-0)
Karsamstag. Auswärtsspiel in Kassel. Sehr gefährlicher Gegner mit einigen Topleuten wie O´Brien, Langlois, Tarves, Koivunen & Co. Bloß nicht in hessisch Sibirien verlieren!
Spielbeginn 20.00h. Meine Güte, wie spät wird das werden? Naja, wenigstens waren die Telefonate am Abend damals günstiger. Mir war etwas bange, denn die Kasseler wollten bestimmt massive Revanche für das Hinspiel. Außerdem hat sich die ESG Kassel mittlerweile an die Topteams herangespielt und hatte tatsächlich noch Außenseiterchancen auf den Aufsteig!
#27 trifft schon in der 2. Minute zur Führung mit einem Solo von hinter dem eigenen Tor. Nach 12 Minuten dann das 0-2 durch Alexander Groß. Läuft. Die Eintracht hatte noch mehere hochkarätige Chancen, scheitert aber immer wieder an Novak. Dann nutzt Dave O´Brien, der Jahre später mal kurz im Kader der SGE stand, ein Powerplay zum 1-2. Im Mitteldrittel geht es hin und her, beide Teams zeigen schnelles Eishockey. Kassel hat mehrere Großchancen durch O´Brien und Materna, aber Zankl konnte immer wieder retten. Als erneut Chaos in der Kasseler Abwehr herrschte, nutzte Trevor Erhardt das zum 1-3. Im Schlussdrittel kam dann aber das befürchtete große Aufbäumen der Kasseler: Bis sieben Minuten vor dem Ende trafen O´Brien und Materna zum 3-3 Ausgleich. Danach hätte das Spiel auch für Kassel kippen können.
So waren beide Trainer am Ende recht zufrieden mit dem Ergebnis. Siitarinen: „Die beiden letzten Tore waren für uns unglücklich, zumal wir zuvor zwei, drei dicke Chancen nicht genutzt haben, sonst wäre die Partie schon früher entschieden gewesen."
Ich wußte nicht so recht, ob ich mit dem Punkt zufrieden sein sollte, nahm ihn aber natürlich gerne mit, auch weil die SGE mittlerweile auch einige Verletzte hatte und weil die Mitbewerber Federn lassen mussten, so dass der eine Punkt in Kassel sogar noch recht wertvoll sein sollte: Augsburg verlor sensationell 8-6 in Sonthofen, Berlin ging in Duisburg 9-5 unter. Augsburg hatte viele verletzte Torhüter und musste Jens Casten nachverpflichten, der uns aus Braunlage bekannt war und einen rabenschwarzen Tag in Sonthofen erwischte. (Eine Spätwirkung von Toni Forsters Volltreffer vor Weihnachten 1985 beim Heimspiel gegen Braunlage, der ihn außer Gefacht setzte und das Spiel nach fünf Minuten abgebrochen werden musste, weil Braunlage keinen Ersatztorwart hatte bzw. haben wollte? Spässle...)
Noch vier Spieltage. Die Eintracht hatte drei Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufsteigsplatz. Drama, Baby, Drama! Irre, dass wir es selbst in der Hand haben aufzusteigen. Das hätte ich vor der Saison und auch nicht zu Beginn der Aufstiegsrunde für möglich gehalten.
Jetzt wurde die eh schon heftige Crunchtime noch crunchiger. So richtig megacrunchy. Es ging noch zuhause gegen Bad Tölz, dann nach Freiburg. Ehe der ganz große Showdown am letzten Wochenende bevorstand mit den Hammerspielen zuhause gegen Rießersee und dann in Augsburg. Mir war klar, dass es nicht nur für die Nerven sehr wichtig sein würde, wenn wir zuhause gegen Rießersee den Aufstieg perfekt machen könnten. Der Weg dorthin sollte aber noch richtig schwierig werden. Schwieriger als erwartet.
Steuert gerne Eure Erinnerungen an diese faszinierenden Wochen bei!
Mir ist noch eingefallen, natürlich auf purer Spekulationsbasis, dass die Eintracht beim Heimspiel gegen Duisburg im letzten Drittel nicht nur deshalb mindestens einen Gang runtergeschaltet hat, damit man sich angesichts der Verletzten (bzw. Kranken?) für das schwere Auswärtsspiel im Zonenrandgebiet schonen konnte, sondern dass man den Duisburgern vor ihrem Heimspiel gegen die Preußen ein positives Erlebnis am Ende gönnen wollte. Traue ich den Schlitzohren absolut zu. Der DSC hat ja dann die Preußen heftig überrascht und denen neun Dinger reingemacht. Ich meine, die Herren Jobczyk und Klocek hatten großen Spass mit den Berlinern.
Die Duisburger hatten aber nicht nur die beiden Polen, sondern auch junge, aufstrebende Leute wie Thomas Werner, Oliver Kasper und Udo Schmid. Und einige gute Routiniers.
15. Spieltag am 04.04.1986: Eintracht Frankfurt - EC Bad Tölz 3-3
Unser Dorfpfarrer wollte in den Wochen vor der Vorstellung alle Konfirmanden zuhause besuchen. Abgesehen davon, dass man sich ja nicht bei anderen Leuten einladen sollte, fand ich das eigentlich ganz nett, weil er wirklich an unserem Leben und unseren Zukunftsplänen interessiert war. Großes Problem für mich: Er wollte am Abend des Spiels gegen Bad Tölz zu mir kommen. Ich habe ihm gleich gesagt, dass ich dann nicht zuhause sein werde, sondern in Frankfurt beim Eishockey. Hat er mir erst geglaubt, als er mich am 4.4. abends nicht antraf und meine Mutter meinte, ich sei eben mit dem Oppa beim Eishockey wie angekündigt.
Wir saßen in Block A weiter oben. Die Eintracht tat sich von Beginn an schwer, es wollte kein richtiger Spielfluss aufkommen. Nicht nur mir kamen leichte Zweifel: Geht dem etwas älteren Team nach den Verletzungen jetzt am Ende die Luft aus? Werden wir kurz vor dem Ziel noch abgefangen?
Gleichzeitig spielten der AEV und SCR 3-3. Gut für die SGE. Und etwas beruhigend.
Das Spiel der SGE endete auch 3-3, was die Tölzer sehr bejubelten. Das wohl schwächste Heimspiel der Aufstiegsrunde. Wir fuhren zurück nach Hause und ich musste noch ein paar Stücke aus Luthers Katechismus für die Vorstellung am Sonntag darauf lernen. Immer unterbrochen von der bangen Frage: Gewinnen wir in Freiburg?
Der Vorsprung auf SCR und AEV betrug weiterhin drei Punkte, auf Berlin vier. Der AEV musste noch nach Berlin in einer Woche. Die SGE sollte unbedingt in Freiburg gewinnen!
Nicht nur aufgrund der Saison 85/86 und des Organisierens des Teams für den Neuanfang der Löwen 1991, sondern für alles, was er viele Jahre lang für das Frankfurter Eishockey getan hat, würde ich gerne ein weiteres Trikot unter dem Hallendach und eine number retired sehen:
#30 Toni Forster
Bevor das Frankfurter Profi-Eishockey aus der ESH umzieht zurück an den Ort der alten Kunsteisfläche der ehemaligen Radrennbahn, sollte es noch eine Alumni Appreciation Night geben. Dabei könnte man das Trikot mit der #30 unters Hallendach ziehen.
Nebenbemerkung: An der Stelle, wo heute die ESH steht, war in der Nachkriegszeit bis ca. Mitte der 1960er Jahre die Trümmerverwertungsgesellschaft (TVG) lokalisiert. Deren Betriebsgelände ging den Ratsweg entlang vom Bornheimer Hang bis zur Riederspießstraße, in etwa bis dort, wo heute die METRO ist. Dort im Bereich der METRO und des Autohauses war auch das ursprüngliche Eintracht-Stadion, das alte Riederwald-Stadion, das ca. 1920 errichtet worden ist.
Da, wo heute der Festplatz für die Dippemess und die ESH liegen, wurden die Trümmer aus der Innenstadt über eine extra eingerichtete Schmalspur-Feldbahn in Loren angeliefert, sortiert und zur Weiterverarbeitung (Recycling!) vorbereitet. Die Frankfurter nannten die Bahn "Adolf-Hitler-Gedächtnis-Express", um auf den abartigen Urheber des ganzen Unheils hinzuweisen. Mitte der 60er wurde die TVG dann aufgelöst, weil sie ihren eigentlichen Betriebszweck erfüllt hatte: Die Trümmer waren abgeräumt, recycelt und mit den daraus gewonnenen Ziegeln und Bausteinen wurde die Innenstadt neu aufgebaut. Die Fabrikanlagen wurden abgebaut und verkauft.
Dann entstand die Frage: Was machen wir in Frankfurt mit der freien Fläche am Ratsweg? Zuerst wurde die Dippemess 1968 vom Römerberg an ihren heutigen Ort verlegt. Danach beschloss man in den späteren 70ern den Bau der Eissporthalle am Ratsweg. Sie steht an dem Ort, an dem aus den Trümmern der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs das neue Frankfurt der Nachkriegszeit entstanden ist. Dort stieg die Eishockey-Eintracht dann 1986 in die Bundesliga auf und gab dem Eishockey-Kult in Frankfurt den entscheidenden Schub.
Sehr interessant. Das war mir alles nicht bekannt. Wusste bis jetzt auch nicht, dass es vor dem heutigen Stadion am Riederwald bereits eins an anderer Stelle gegeben hat.
Zitat von TheTrueNorth im Beitrag #207Nebenbemerkung: An der Stelle, wo heute die ESH steht, war in der Nachkriegszeit bis ca. Mitte der 1960er Jahre die Trümmerverwertungsgesellschaft (TVG) lokalisiert. Deren Betriebsgelände ging den Ratsweg entlang vom Bornheimer Hang bis zur Riederspießstraße, in etwa bis dort, wo heute die METRO ist. Dort im Bereich der METRO und des Autohauses war auch das ursprüngliche Eintracht-Stadion, das alte Riederwald-Stadion, das ca. 1920 errichtet worden ist.
Da, wo heute der Festplatz für die Dippemess und die ESH liegen, wurden die Trümmer aus der Innenstadt über eine extra eingerichtete Schmalspur-Feldbahn in Loren angeliefert, sortiert und zur Weiterverarbeitung (Recycling!) vorbereitet. Die Frankfurter nannten die Bahn "Adolf-Hitler-Gedächtnis-Express", um auf den abartigen Urheber des ganzen Unheils hinzuweisen. Mitte der 60er wurde die TVG dann aufgelöst, weil sie ihren eigentlichen Betriebszweck erfüllt hatte: Die Trümmer waren abgeräumt, recycelt und mit den daraus gewonnenen Ziegeln und Bausteinen wurde die Innenstadt neu aufgebaut. Die Fabrikanlagen wurden abgebaut und verkauft.
Dann entstand die Frage: Was machen wir in Frankfurt mit der freien Fläche am Ratsweg? Zuerst wurde die Dippemess 1968 vom Römerberg an ihren heutigen Ort verlegt. Danach beschloss man in den späteren 70ern den Bau der Eissporthalle am Ratsweg. Sie steht an dem Ort, an dem aus den Trümmern der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs das neue Frankfurt der Nachkriegszeit entstanden ist. Dort stieg die Eishockey-Eintracht dann 1986 in die Bundesliga auf und gab dem Eishockey-Kult in Frankfurt den entscheidenden Schub.
Frankfurt ist fast so etwas wie ein El Dorado für Historiker. Fast an jeder Ecke kann man das Gegenwärtige historisch verknüpfen oder auf lost places und Hintergrundgeschichten hinweisen. Auch die ESH ist mittlerweile ein Ort, dem sich das Institut für Stadtgeschichte mal ausführlicher widmen sollte.
16. Spieltag vom 06.04.1986 EHC Freiburg - Eintracht Frankfurt 4-7
Wir müssen diesen Drei-Punkte-Vorsprung behalten! Wir sollten heute gewinnen. Hoffentlich geht dem Team nicht die Puste aus. Es fühlte sich auf einmal an, als wären wir nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Traf ja auch zu bei Tabellenführung. Die letzten beiden Unentschieden verunsicherten nicht nur mich. Wir brauchen jetzt einen Sieg.
Ein Tag mit sehr viel Anspannung und Stress an mehreren Baustellen, aber auch ein sehr schöner Tag: Am Vormittag habe ich den "Vorstellungsgottesdienst" als Konfirmand. Kirche voll, das gefühlt halbe Dorf ist da. Der neue Pfarrer macht daraus aber keine Demütigungs-Show wie der alte, sondern hält sich beim Abfragen fair an die Versprechen. Es werden nur Leute drangenommen, die sich melden. Außerdem hat er ein interessantes Hungertuch dabei und kommt darüber mit uns ins Gespräch, bei dem fast nebenbei die wichtigen Sachen erfragt werden. Hat uns gut getan.
Schon zu diesem Zeitpunkt muss ich immer wieder an den Abend denken, das Auswärtsspiel in Freiburg. Zusätzlich wird die Lage dadurch erschwert, dass meine Eltern eine befreundete Familie besuchen wollen, deren Tochter an diesem Tag ihre Erstkommunion hatte inkl. ausgiebiger Feier bei ihnen zuhause. Puh, erstens langweilig für mich, zweitens: Wie zur Hölle komme ich dort an Infos zum Freiburg-Spiel? Plan 1 war: Telefonanrufe. Problem: Habe mich nicht getraut zu fragen, ob ich fünf, sechs Mal nach Freiburg anrufen darf. Heimlich... näh, das Ding hatte noch eine Wählscheibe, das wäre aufgefallen. Plan 2: Irgendwo an ein Radio kommen.
Ich weiss nicht mehr genau, wie ich dort an die Infos kam, aber ich war informiert zwischendurch: Zunächst bestätigten sich meine Befürchtungen: 3-3 nach zwei Dritteln. Als hätte der Tag nicht schon genug Spannung mit sich gebracht. Die Freiburger hatten ein paar Wochen vorher Preußen Berlin besiegt und waren zuhause deutlich stärker als auswärts. Bitte, bitte, Trevor, Elias, Toni, schießt noch ein paar Tore! Es fallen tatsächlich im Schlussdrittel vier Tore für die SGE zum Endstand von 4-7. Mehrere Eintracht-Cracks hatten ja früher mal in Freiburg gespielt. Einige von ihnen trafen für die SGE an diesem wegweisenden Abend: Helmut Guggemoos zweifach, James Münch und Alexander Groß. Dazu kamen noch die Treffer von Trevor Erhardt, Bernd Schoof und Jerzy Potz.
Es war das erwartet schwere Stück Arbeit. Lasten fallen von mir ab. Am späten Abend erfahre ich dann, dass der SCR die Preußen besiegt hat und Berlin damit die Eintracht nicht mehr einholen konnte.
Wir gehen tatsächlich mit einem Vorsprung von drei Punkten ins letzte Wochenende mit den Spielen gegen den SCR (zuhause) und den AEV (auswärts). Ab jetzt herrschte bei mir der totale Ausnahmezustand: Wir konnten bei einem Sieg gegen den SCR in die Bundesliga aufsteigen. Can you believe it? Oft beim Betreten der ESH in den Monaten und Jahren zuvor dachte ich mir, wie toll es doch wäre, mal ein normales Punktspiel gegen Teams wie die DEG, den KEC, SBR, MERC, Landshut oder Schwenningen zu spielen. Wir kannten diese Teams nur aus dem Fernsehen. Jetzt war diese Möglichkeit kurz davor real zu werden. One step to the promised land.
An jedem der kommenden Tage in der letzten Woche der Osterferien trug ich mein Fantrikot mit der #27, wechselte nur T- und Sweatshirts unten drunter, wobei ich für den Freitag gegen den SCR das schwarze Nike-Sweatshirt für unter das Trikot wie üblich vorgesehen hatte. Erst recht nachdem ich irgendwie erfahren hatte, dass n i k e das altgriechische Wort für S i e g war (hergeleitet von der gleichnamigen Siegesgöttin).
Es folgten Tage voller Vorfreude mit vielen Anrufen bei mir: "Haste noch ´ne Karte gegen Riessersee?" Ich hatte schon vor vielen Wochen zwei Stehplatzkarten bekommen. Das war leider nix für´n Oppa, deshalb habe ich schon sehr früh entschieden, dass mein guter Freund Frank aus unserem Dorf die Karte bekommt.
Irgendwann dann in den Tagen nach dem Sieg in Freiburg kam die Info, dass der Hessische Rundfunk das SCR-Spiel live im TV zeigen wird. Nice für die vielen, vielen Leute, die keine Karte mehr bekommen konnten.
Der Countdown zum bis dahin größten Tag in der Frankfurter Eishockey-Geschichte lief.
Die wenigen Fotos vom Sieg in Freiburg zeigen unser Team in den roten Jerseys und Freiburg in Weiß. Außerdem sind bei einem Torjubel auf der Tribüne doch viele mitjubelnde Frankfurter Auswärtsfahrer zu sehen. Kriftel wird doch bestimmt dort gewesen sein oder? Wäre super, wenn hier jemand von diesem Tag berichten könnte, der damals mit in Freiburg war.
Ich war damals in Freiburg und kann mich aber nicht mehr so gut erinnern wie Du. Was bei mir hängen geblieben ist. Die Halle war Irre laut und es war eine Wahnsinnsspannung fast körperlich zu spüren. Wir hatten einige Eishockey Lieder auf MC und hörten diese die ganze Fahrt.
Für einen fairen Umgang unter allen Eishockeyfans!
Wir waren in dieser Saison 1985/86 nicht auf der „Road To Nowhere“ (Talking Heads), obwohl die „Russians“ (Sting) ihre Truppen jenseits der Rhön hatten, sondern wandelten mit „The Power of Love“ (Jennifer Rush) to the game of hockey auf einer „Stairway To Heaven“ (FAR Corporation), denn Team und Fans hatten „One Vision“ (Queen), Eishockey war in Frankfurt auf einmal „Geil“ (Bruce & Bongo), denn „Die Hesse komme“ (Rodgau Monotones).
Das war kein „Ba Ba Banküberfall“ (Erste Allgemeine Verunsicherung), sondern der „Walk Of Life“ (Dire Straits) auf die Frankfurter Art und Weise. So war das ganze in Eintrittskarten investierte Geld kein „Money For Nothing“ (Dire Straits), denn Team und Fans „Hit That Perfect Beat“ (Bronski Beat). Und selbst „When The Going Gets Tough, The Tough Get Going“ - trotz Verletzungen und starker Gegner.
Dabei ging es „In The Heat Of The Night“ (Sandra), wenn man sich „Face To Face“ (Pete Townshend) gegenüberstand, manchmal „Faust auf Faust“ (Klaus Lage) und „Fire And Ice“ (Marietta) brannten, als unserer Spieler mal den „Bad Boy“ (Dan Harrow) geben mussten. Man merkte, „We Built This City“ on hockey and Bembel. Das war unsere „Destiny“ (Jennifer Rush).
Wir sahen in der ESH nicht nur „Pictures In The Dark“ (Mike Oldfield), „West End Girls“ (Pet Shop Boys), sondern erlebten die Eishockey-Eintracht mit „Burning Heart“ (Survivor), sangen mit Klaus & Klaus „An der Nordseeküste“ und konnten am 11.4.1986 beim „Final Countdown“ (Europe) mit weit über 6000 Fans und dem Team auf dem Eis singen „We Are The Champions“ (Queen). Und es hieß in dieser „Big City Night(s)“ (Scorpions): „Party All The Time“ (Eddie Murphy). Einfach nur „A Kind Of Magic“ (Queen).
... die meisten der zitierten Songs waren im Winter/Frühjahr 1986 in den deutschen Charts und auf meinen Musikkassetten. Gern gehört auf den fast 70km zur ESH oder von dort nach Hause.
Einige Tage vor dem Riessersee-Spiel konnte man in der Zeitung lesen, dass eine Zusatztribüne genehmigt worden ist. Sie stand dann unterhalb von Block M und N hinter der Spielerbank der Gäste. Würde gerne wissen, was bei diesen Plätzen auf der Eintrittskarte stand und wieviel eine solche Karte gekostet hat.
Ich fürchte, so etwas bekommen die Löwen heute nicht mehr genehmigt. Brandschutz usw.
In den Tagen vor dem Riessersee-Spiel hatten wir in Geschichte die Zeit der preußischen Einigungskriege unter Bismarck. Es ging um den Krieg gegen Österreich 1866. Frankfurt hatte sich verspekuliert und paktierte mit den Österreichern, die militärisch gegen die Preußen chancenlos waren. So standen im Sommer 1866 preußische Truppen vor Frankfurt. Am Bahnhof Hanau-Wilhemsbad standen sie u.a. Gewehr bei Fuß, um die Stadt einzunehmen und zu bombardieren. Frankfurt übergab die Stadt kampflos, da man sich letztlich nicht hätte verteidigen können. Dadurch verlor man den Status der freien Stadt, mußte hohe Geldsummen an Berlin abdrücken, wurde preußische Provinzstadt und wurde auf vielfältige Weise gedemütigt - auch weil man den Preußen als freigeistiges, demokratieaffines Nest galt. Die Frankfurter Abneigung gegen Preußen und Berlin war bis tief ins 20. Jahrhundert in Frankfurt zu spüren und nachzuweisen.
Dass sich ein Eishockey-Verein nach 1945 tatsächlich erdreistet hat, sich (bei seiner Gründung Anfang der 80er nach dem Ende des Berliner SC) "Preußen" zu nennen, dazu auch noch in Berlin, das mit dem antidemokratischen und reaktionären preußischen Obrigkeitsstaat und dem Wilhelmismus, dem verbrecherischen nationalsozialistischen Zivilisationsbruch und der damals noch von Ost-Berlin aus dirigierten sozialistischen Unterdrückung in der sowjetisch besetzen Zone, vielen Millionen Menschen, Deutschland, seiner Kultur und seinem Ansehen in der Welt höchsten Schaden zugefügt hat, hat nicht nur mich damals sehr geärgert.
Umso mehr freuten wir uns, dass schon vor dem letzten Wochenende der Aufstiegsrunde klar war, dass die Eintracht Preußen Berlin sicher hinter sich lassen wird. Nun wollten wir auch, dass die Preußen den Aufstieg komplett versemmelten. Es sollte auch so kommen...
ZitatIn den Tagen vor dem Riessersee-Spiel hatten wir in Geschichte die Zeit der preußischen Einigungskriege unter Bismarck. Es ging um den Krieg gegen Österreich 1866. Frankfurt hatte sich verspekuliert und paktierte mit den Österreichern, die militärisch gegen die Preußen chancenlos waren. So standen im Sommer 1866 preußische Truppen vor Frankfurt. Am Bahnhof Hanau-Wilhemsbad standen sie u.a. Gewehr bei Fuß, um die Stadt einzunehmen und zu bombardieren. Frankfurt übergab die Stadt kampflos, da man sich letztlich nicht hätte verteidigen können. Dadurch verlor man den Status der freien Stadt, mußte hohe Geldsummen an Berlin abdrücken, wurde preußische Provinzstadt und wurde auf vielfältige Weise gedemütigt - auch weil man den Preußen als freigeistiges, demokratieaffines Nest galt. Die Frankfurter Abneigung gegen Preußen und Berlin war bis tief ins 20. Jahrhundert in Frankfurt zu spüren und nachzuweisen.
Dass sich ein Eishockey-Verein nach 1945 tatsächlich erdreistet hat, sich (bei seiner Gründung Anfang der 80er nach dem Ende des Berliner SC) "Preußen" zu nennen, dazu auch noch in Berlin, das mit dem antidemokratischen und reaktionären preußischen Obrigkeitsstaat und dem Wilhelmismus, dem verbrecherischen nationalsozialistischen Zivilisationsbruch und der damals noch von Ost-Berlin aus dirigierten sozialistischen Unterdrückung in der sowjetisch besetzen Zone, vielen Millionen Menschen, Deutschland, seiner Kultur und seinem Ansehen in der Welt höchsten Schaden zugefügt hat, hat nicht nur mich damals sehr geärgert.
Wow...
Ich glaube, das hatte ich damals nicht im Kopf!!
Andy
...denn der Friedhof ist voller Leute, die zu Lebzeiten dachten unersetzlich zu sein!! (R.Gutt)
ZitatIn den Tagen vor dem Riessersee-Spiel hatten wir in Geschichte die Zeit der preußischen Einigungskriege unter Bismarck. Es ging um den Krieg gegen Österreich 1866. Frankfurt hatte sich verspekuliert und paktierte mit den Österreichern, die militärisch gegen die Preußen chancenlos waren. So standen im Sommer 1866 preußische Truppen vor Frankfurt. Am Bahnhof Hanau-Wilhemsbad standen sie u.a. Gewehr bei Fuß, um die Stadt einzunehmen und zu bombardieren. Frankfurt übergab die Stadt kampflos, da man sich letztlich nicht hätte verteidigen können. Dadurch verlor man den Status der freien Stadt, mußte hohe Geldsummen an Berlin abdrücken, wurde preußische Provinzstadt und wurde auf vielfältige Weise gedemütigt - auch weil man den Preußen als freigeistiges, demokratieaffines Nest galt. Die Frankfurter Abneigung gegen Preußen und Berlin war bis tief ins 20. Jahrhundert in Frankfurt zu spüren und nachzuweisen.
Dass sich ein Eishockey-Verein nach 1945 tatsächlich erdreistet hat, sich (bei seiner Gründung Anfang der 80er nach dem Ende des Berliner SC) "Preußen" zu nennen, dazu auch noch in Berlin, das mit dem antidemokratischen und reaktionären preußischen Obrigkeitsstaat und dem Wilhelmismus, dem verbrecherischen nationalsozialistischen Zivilisationsbruch und der damals noch von Ost-Berlin aus dirigierten sozialistischen Unterdrückung in der sowjetisch besetzen Zone, vielen Millionen Menschen, Deutschland, seiner Kultur und seinem Ansehen in der Welt höchsten Schaden zugefügt hat, hat nicht nur mich damals sehr geärgert.
Wow...
Ich glaube, das hatte ich damals nicht im Kopf!!
Es gab damals auch ein Foto von Lorenz Funk (sen.) in Uniform und preußischer Pickelhaube. Kann man machen. Muss man aber nicht. Er stand ja noch mit 39 im Sturm der Berliner und war die Gallionsfigur beim Vorgänger Schlittschuhclub und beim Neuaufbau mit den Preußen. Der war trotzt seines Alters immer noch enorm gefährlich vor dem Tor und wichtig für die Berliner.
DER TAG war da. Champions-Day, Aufstiegs-Tag. Die Eintracht musste aus den beiden letzten Begegnungen nur einen Punkt holen, um sicher aufzusteigen. Sollte Berlin im Parallelspiel den AEV besiegen, hätte die SGE sich sogar zwei Niederlagen leisten können. Ich wusste, dass die Preußen alles tun werden, um ihre letzte Chance auf den Aufstiegsplatz 2 zu bewahren.
Ich habe die Nacht vorher im #27-Fantrikot geschlafen. War schon die Tage hibbelig. An diesem Freitag steigerte sich meine Nervosität noch deutlich. Eine Mischung aus enormer Vorfreude und Optimismus, aber auch Sorge vor einer Niederlage. Irgendwie dachte ich, dass wir das Ding an diesem Tag zuhause machen müssen, denn vor dem letzten Spiel in Augsburg hatte ich Bammel. Aber wie auch später 2004 wurde ich dann doch wach mit dem Gefühl: Heute schaffen wir es. Heute!
Alle Planungen für die Fahrt nach Frankfurt waren bereits abgeschlossen. Opppppa wird mich und meinen guten Kumpel fahren. Zwei Stehplatzkarten konnte ich viele Wochen vorher noch ergattern. Wir haben vorher immer gesessen, waren aber gespannt, wie es dort oben ist. Vor der Aufstiegsrunde saß ich mit Opa oder Papa oft in den Blöcken L, M oder N. Tolle Sicht. Also wird es etwas weiter oben auch gut sein - vorausgesetzt, wir stehen zentral. Daher war uns klar, dass wir möglichst bei Hallenöffnung da sein müssen. Das waren wir auch. Allerdings standen schon 10-20 Leute vor uns am Einlass. Die Stimmung beim Warten ist erwartungsfroh und positiv angespannt. Dann geht es rein. Wir rennen über die vielen Treppenstufen hoch auf die Stehtribüne und bekommen zentral hinter dem ersten Wellenbrecher von unten aus gesehen hervorragende Plätze. Es wurde schnell voll und eng. Uns war klar, dass wir uns kaum von dort wegbegeben können. Hatten wir auch nicht vor.
Dann kommt die SGE zum Aufwärmen aufs Eis. Die Stimmung steigt, erste Anfeuerungsrufe, ein Spieler winkt hoch. Dann sehe ich erstmals den legendären SC Riessersee auf Frankfurter Eis. Die Aufstiegsrunde hat gezeigt, dass sie besiegbar sind. Aber der SCR hatte sich im Laufe der Zeit deutlich gesteigert. Außerdem hatten sie einige absolute Topspieler: Libor Havlicek, der tschechische Spielmacher und Topscorer, Ron Fischer, ebenfalls ein Scorer vor dem Herrn und außerdem in Abwehr und Angriff einsetzbar. Dazu die Legenden aus der Bronze-Mannschaft von Olympia 1976 in Innsbruck: Der starke Verteidiger Ignaz Berndaner und der brandgefährliche Mittelstürmer Martin Hinterstocker (Sen.). Im Tor stand eine Nachwuchshoffnung, Peppi Heiss.
Die Eintracht tritt ganz im Schwarz an, Garmisch in Blau. Vom Kontrast nicht optimal, schon gar nicht für die Fernsehzuschauer. TV? Ja! Das Spiel wurde tatsächlich live vom Hessischen Rundfunk übertragen. Es war ja auch schon lange im Voraus ausverkauft und es waren (mit der schnell noch improvisierten) Zusatztribüne hinter der Gästespielerbank weit über 6000 Zuschauer. Die maximale Kapazität wurde ja erst im Sommer 1988 durch die Umwandlung der Sitzplätze in den Blöcken P, A und B in Stehplätze auf knapp 7000 erhöht. Nicht wenige Leute waren der Meinung, dass an diesem Abend 8000 bis 10000 Leute in der Halle waren. Vielleicht weiss das niemand genau.
Zuhause habe ich den Videorekorder programmiert. Mir war klar, dass Historisches passieren könnte. Ich habe die VHS-Kassette noch und werde sie heute suchen und ausprobieren, ob man noch etwas sieht.
Bei Spielbeginn ist die Atmospäre in der Halle unfassbar intensiv. Ich war froh, dass wir eine erfahrende Mannschaft hatten, denn der Druck muss enorm gewesen sein. Aber die größten Stars leuchten gerade in solchen Situationen am hellsten. An diesem Abend sollte es unser Trevor Erhardt mit der #27 sein. Aber der Weg zum großen Jubel am Ende war weit und schwer, denn Riessersee begann sehr stark und macht großen Druck auf das Tor der Eintracht. Ein Treffer für den SCR lag förmlich in der Luft. Wir wurden noch nervöser und kamen so richtig ins Schwitzen. Gleichzeitig hauten wir alles, was unsere Stimmen hergaben zur Anfeuerung des Teams auf dem Eis raus: Eintracht! Eintracht! Eintracht! Immer wieder auch das schöne rhythmische Klatschen (ohne Klatschpappen = mit den eigenen Händen), beim dem fast alle mitmachten und das ich heute so vermisse. Mir war klar, dass ich eventuell nach dem Spiel und in der nächsten Schulwoche vor Heiserkeit nicht mehr richtig werde reden können, aber egal, jetzt zählt´s!
Wir schauen immer mal wieder hoch zum Kamerateam des HR über Block E. Wer wird das Spiel kommentieren? Werner Damm? Wolfhart Kuhlins? Hans-Joachim Rauschenbach? Holger Obermann? Dieter Meier?
Dann fällt das erste Tor. Ein Schock, aber wir haben es kommen sehen. Der SCR geht durch Libor Havlicek in der 15. Minute in Führung. Nicht gut. Das Interesse am Zwischenstand aus Berlin (gegen den AEV) wuchs sprunghaft an. In der ersten Drittelpause kommt der Zwischenstand aus Berlin, ich meine es stand dort unentschieden.
Uns war klar, dass im zweiten Drittel die Eintracht das Spiel an sich reißen muss. Das tat sie auch. Und wie! Die Eintracht zaubert einen wunderschönen Spielzug auf´s Eis und Trevor Erhardt vollendet zum 1-1. Riesenjubel in der Halle. Bernd Schoof, der an diesem Abend sein letztes Spiel für die Eintracht spielte und der schon im Eintracht-Bundesligateam Ende der 60er Jahre stand, spielte einen genialen Pass durch die neutrale Zone auf James Münch, der aber mit seinem Alleingang scheiterte. Heiss konnte die Scheibe aber nicht kontrollieren, sie liegt einen Moment frei vorm Tor, so dass Trevor Erhardt abstauben konnte. Die Zuversicht steigt! Unentschieden würde ja reichen, aber es war noch zu früh und der SCR war brandgefährlich. Daher... weitermachen, Tore nachlegen, das Team anfeuern!
Dann bekommt die Eintracht ein Powerplay. Es folgte eine weitere wunderschöne Kombination: Jerzy Potz täuschte einen Schlagschuss geschickt an, passt dann aber weiter auf die #27... 2-1. Die ESH bebt! Wir sind auf Kurs 1. Bundesliga. Etwas später setzt Alexander Groß mit einem tollen Alleingang sogar noch das 3-1 drauf. Mit diesem Spielstand ging es in die 2. Drittelpause. Puh, das 2. Drittel hat gerockt, uns ging es schon deutlich besser, wir waren etwas entspannter, obwohl klar war, dass der SCR im Schlussdrittel kommen wird. Das Zwischenergebnis aus Berlin war auch positiv, so dass wir wirklich nur noch 20 Minuten vom Aufstieg entfernt waren.
Im Schlussdrittel fängt Trevor Erhardt einen schlechten Pass des SCR in der neutralen Zone ab, dringt energisch in deren Zone ein und schießt oben rechts am Tor vorbei. Der Puck knallt gegen das Plexiglas und von dort auf ungewöhnliche Weise zurück vor das Tor. Damit hatte Heiss nicht gerechnet und #27 verwertet seinen eigenen Abpraller zum 4-1. In diesem Moment war ich mit zu 99% sicher, dass wir aufsteigen. Alle schreien wie wild. Gänsehaut am Rücken und an den Armen. Es passiert wirklich! Berlin führte gegen den AEV. Es konnte kaum noch etwas passieren. Auf den Rängen beginnen schon etwa zur Mitte des Schlussdrittels die Feierlichkeiten. Mein Körper wird von einem wunderbaren Glücksgefühl durchströmt, alle sind unfassbar happy und tief gerührt, denn vor unseren Augen werden Träume wahr.
So ca. fünf Minuten vor dem Ende sehen wir von oben auf der Stehtribüne, dass immer mehr Leute sich an der Bande unterhalb der Blöcke P, A und B an der großen Doppeltür hinter dem SCR-Tor versammeln. Wollen die nach Spielende auf´s Eis? Bekommen die diese Tür auf? Wir überlegen und entscheiden dann ca. zwei Minuten vor dem Ende, dass wir auch dort runter gehen. So laufen wir schnellen Schrittes die Treppen runter. Ich habe Tränen vor Freude in den Augen und muss aufpassen, dass ich nicht stürze. Das zweite Tor des SCR fällt. Havlicek. Haben wir nicht gesehen, naja, auf der Videokassette wird es sein. Wir kommen sicher unten an. Dann brechen die letzten Sekunden an. Die singen, schreien, weinen, jubeln, ein einziger Sturm an Gefühlen.
Die Schluss-Sirene! 4-2. Schläger, Handschuhe und Helme fliegen durch die Luft, die Spieler und Offiziellen der Eintracht-Bank stürmen das Eis. Die Eintracht ist aus eigenen Kräften aufgestiegen und wir haben es mit unseren eigenen Augen gesehen. We stand witness. Die ganze Eissporthalle ist nun endgültig zum Tollhaus geworden. Die Leute unten haben doch tatsächlich die große Tür aufbekommen und es sind schon viele auf dem Eis. Am anderen Ende des Eises vor dem Tor von Peter Zankl ist eine große schwarze Jubeltraube zu sehen. Die Spieler liegen aufeinander, stapeln sich. Trevor Erhardt dreht eine Art Ehrenrunde, bei dem er seine Freude und sein Glück sehr sympathisch zum Ausdruck bringt. Aus den Lautsprechern hören wir "We are the champions" von Queen. Alle singen mit. Jetzt stehe ich auch auf dem Eis. Darf man das eigentlich? Naja, egal heute. Die Hälfte der Eisfläche ist voller Leute, die Spieler jubeln mit den Fans, kommen kaum vom Eis runter.
Wir bleiben noch eine Weile auf dem Eis. Genießen den Augenblick, saugen das Glück auf. Was alles möglich ist, wenn man an sich und seine Fähigkeiten glaubt und alles gibt! Als sich dann später alles etwas beruhigt hat, gehen wir raus. Mein Opppa wartet im Auto vor der Halle, kommt uns entgegen. Er wußte, dass wir aufgestiegen sind und freute sich mit uns. Wir setzen uns ins Auto, fahren los. Scorpions "Big City Night", ja. Und natürlich Queen "We are the champions". Am Ratsweg und am Riederwald werden das auch die Leute mitgekommen haben.
Was für ein Tag, was für eine Saison.
HERZLICHEN DANK an alle, die das ermöglicht haben. Günther Herold, Jorma Siitarinen, das Team hinter dem Team und vor allem: das sagenhafte Team der Eishockey-Eintracht der Saison 1985/86. Ich werde Euch niemals vergessen und ewig dankbar sein!
Durch ein 7-4 gegen den AEV machten die Preußen Berlin die Eintracht zum sicheren Aufsteiger. Wir hätten uns Niederlagen leisten können. Nur mussten die Preußen hoffen, dass Riessersee am letzten Spieltag zuhause gegen Sonthofen verliert. Auch der AEV hatte diese Perspektive. Sehr wahrscheinlich war dies nicht.
Preußen, wir hören nichts!
Ein in Berlin geborener und mit den Preußen sympathisierender Klassenkamerad sollte am darauffolgedenden Montag (und wochenlang) von meinen Kumpels und mir hören: